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Praxis · KI

KI in der Arztpraxis: Praxistexte erstellen und prüfen

Porträt von Ian HoltonIan Holton Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit
Hände tippen auf der Tastatur eines Laptops

Bild: rawpixel.com, CC0

Wofür können wir KI bei Praxistexten einsetzen?

KI kann in der Arztpraxis allgemeine Texte gliedern, entwerfen und verständlicher machen. Drei Regeln gelten dabei: keine Patientendaten eingeben, für den Praxisbetrieb keine kostenlosen Consumer-Konten nutzen und jede fachliche Aussage an der Originalquelle prüfen. Medizinische Inhalte brauchen vor der Veröffentlichung eine fachliche Freigabe, andere KI-Einsätze mit personenbezogenen Daten eine eigene Datenschutzprüfung.

Inhalt
  1. 01Für welche Texte kann KI helfen?
  2. 02Was gehört nicht in einen gewöhnlichen Textauftrag?
  3. 03Wie läuft ein Entwurf bis zur Freigabe?
  4. 04Wer trägt die Verantwortung für medizinische Texte?
  5. 05Wo entstehen typische Fehler im KI-Entwurf?
  6. 06Was Sie selbst tun können
  7. 07Wann sich Unterstützung lohnt

KI in der Arztpraxis kann vieles bedeuten: Dokumentationsassistenten, Telefonbots, Befundzusammenfassungen, Diagnoseunterstützung. Hier geht es um etwas Überschaubares, das trotzdem viele Praxen beschäftigt: Texte für die Website und die allgemeine Kommunikation. Also um die Leistungsseite, den Text zur Terminvereinbarung, die Stellenanzeige, die Patienteninformation zum Ablauf einer Untersuchung. Nicht um Diagnostik, Behandlungsentscheidungen oder Patientenakten. Ich nutze Sprachmodelle täglich in meiner eigenen Arbeit und halte sie für das wirksamste Schreibwerkzeug seit der Textverarbeitung. Gleichzeitig sehe ich in Praxen zwei typische Fehler: Entweder nutzt die Praxis KI aus Angst gar nicht, oder jemand nutzt sie mit dem privaten Handy-Konto, ohne zu wissen, was mit den Eingaben passiert. Beides lässt sich vermeiden. Ein Entwurf kann Stunden sparen, aber verantworten muss die Praxis jede Aussage, die sie veröffentlicht. Dafür braucht es einen Ablauf, kein Verbot.

Für welche Texte kann KI helfen?

Eine Gliederung für eine neue Leistungsseite, eine verständlichere Fassung der Terminregeln, eine Liste der Fragen, die Patienten zu einer Untersuchung stellen könnten, eine Stellenanzeige in freundlicherem Ton, die Übersetzung einer Patienteninformation zur Vorbereitung auf eine Untersuchung in einfache Sprache: Das sind Aufgaben, die ein Sprachmodell nach meiner Erfahrung in der Regel gut erledigt. Geben Sie dafür nur die tatsächlichen Praxisabläufe und fachlich freigegebenen Angaben vor. Das Werkzeug sollte keine Qualifikationen, Geräte, Öffnungszeiten oder Behandlungsergebnisse hinzuerfinden. Erfahrungsgemäß tut es das genau dann, wenn das Briefing Lücken lässt.

Auch Anzeigentexte lassen sich mit KI entwerfen. Google Ads begrenzt bei responsiven Suchanzeigen die Anzeigentitel auf 30 und die Textzeilen auf 90 Zeichen. Für jede Aussage gilt dieselbe Prüfung auf Werberecht wie für die Website. Mehr dazu im Beitrag Google Ads für Ärzte.

Die WHO beschreibt in ihrer Leitlinie zu großen multimodalen Modellen mögliche Anwendungen im Gesundheitswesen, von der Patientenkommunikation bis zur Verwaltung, und formuliert dazu Anforderungen an eine verantwortliche Steuerung. Das ist keine Zulassung eines konkreten Textwerkzeugs für medizinische Entscheidungen, zeigt aber, dass die WHO administrative und kommunikative Aufgaben zu den möglichen Einsatzbereichen zählt.

Was gehört nicht in einen gewöhnlichen Textauftrag?

Für allgemeine Website-Texte brauchen Sie keine Patientennamen, Diagnosen, Fotos, Termine oder Nachrichten aus dem Behandlungsalltag. Das klingt selbstverständlich, aber der typische Fehler passiert nebenbei: „Schreib mir eine Antwort auf diese Patientenmail“, und die Mail wird samt Name und Beschwerde eingefügt. Auch ohne Namen kann eine Kombination seltener Einzelheiten auf eine Person hinweisen. Formulieren Sie Aufgaben daher allgemein und in eigenen Worten: „Formuliere eine freundliche Antwort an eine Patientin, die nach einer Terminverschiebung fragt.“

Gesundheitsdaten sind besonders geschützte personenbezogene Daten. Die Datenschutzkonferenz erläutert in ihrer Orientierungshilfe zu KI und Datenschutz die Prüfung nach Art. 9 DSGVO und empfiehlt, KI-Anwendungen vor dem Einsatz auf Zweck, Rechtsgrundlage und Datenfluss zu prüfen. Dazu kommt die ärztliche Schweigepflicht. § 9 der Musterberufsordnung beschreibt sie, maßgeblich ist die Berufsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Werden Patientendaten in ein KI-Konto eingegeben, dessen Anbieter nicht vertraglich als mitwirkender Dienstleister eingebunden und zur Geheimhaltung verpflichtet ist, kann darin eine unbefugte Offenbarung gegenüber einem Dritten liegen, die § 203 StGB unter Strafe stellt. Bei einem Consumer-Konto fehlt diese Einbindung in aller Regel. Darf der Anbieter die Eingaben zusätzlich zum Training nutzen, verschärft das das Problem.

Das ist kein pauschales Verbot jeder KI-Verarbeitung von Patientendaten. Wo solche Daten tatsächlich verarbeitet werden sollen, etwa für eine Dokumentationshilfe, müssen Zweck, Rechtsgrundlage, Anbieter, Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, Serverstandort und Schutzmaßnahmen für den konkreten Einsatz geklärt werden. Für Praxistexte ist das schlicht nicht nötig, weil Sie dafür keine Patientendaten brauchen. Meine Empfehlung ist trotzdem eindeutig: Auch für Texte ohne Patientenbezug gehört in eine Praxis ein Business- oder Enterprise-Konto mit Auftragsverarbeitungsvertrag und ohne Trainingsnutzung, nicht das kostenlose Konto einer Mitarbeiterin. Der Unterschied kostet einen überschaubaren Monatsbetrag je Nutzer und erspart Ihnen eine ganze Reihe von Problemen, bevor sie entstehen.

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Website prüfen lassen

Wie läuft ein Entwurf bis zur Freigabe?

Legen Sie vorab fest, wer Fakten bereitstellt, wer den Entwurf erstellt, wer Quellen prüft und wer den fertigen Text freigibt. In einer kleinen Praxis können das zwei Personen sein, in einem MVZ sind es oft vier. Bewahren Sie die freigegebenen Ausgangsinformationen und die veröffentlichte Fassung nachvollziehbar auf, zum Beispiel als Datum und Kürzel am Ende der Textdatei. Bei einer Nachfrage der Kammer oder eines Patienten müssen Sie belegen können, wer was wann geprüft hat.

Gut zu wissen: Ein flüssiger Satz ist kein Beleg. Sprachmodelle formulieren Falsches genauso überzeugend wie Richtiges. Öffnen Sie eine vom Werkzeug genannte Studie oder Leitlinie selbst und prüfen Sie, ob sie genau diese Aussage trägt. Existiert die Quelle nicht oder sagt sie etwas anderes, streichen Sie den Satz.

Ein Briefing aus echten Praxisangaben

Beschreiben Sie Zielgruppe, Thema, verfügbare Leistung, organisatorischen Ablauf und die Fragen, die der Text beantworten soll. Für die Terminseite genügen die tatsächlich angebotenen Kontaktwege und Zeiten. Für eine Leistungsseite gehören die freigegebenen Aussagen zu Ablauf, Voraussetzungen, Grenzen und Kosten ins Briefing. Fordern Sie ausdrücklich, fehlende Informationen offen zu lassen und als Lücke zu markieren, statt sie zu ergänzen. Das ist die wichtigste Anweisung im ganzen Ablauf. Ein Modell, das Lücken füllen darf, erfindet die Facharztbezeichnung, das Gerät und die Erfolgsquote.

Ein Beispiel für ein Briefing zu einer Leistungsseite:

  • Zielgruppe: Erwachsene, die zum ersten Mal zu dieser Untersuchung in die Praxis kommen.
  • Thema: Ablauf der Untersuchung und Vorbereitung auf den Termin.
  • Freigegebene Angaben: Ablauf, Dauer, Termine und Kosten nur so, wie die verantwortliche Fachperson sie schriftlich vorgegeben hat, als Text eingefügt.
  • Fragen, die der Text beantworten soll: Wie bereite ich mich vor? Wie lange dauert der Termin? Wie vereinbare ich ihn?
  • Anweisung: Fehlende Angaben als Lücke markieren, nicht ergänzen.

Je nach Werkzeug lassen sich solche Regeln dauerhaft hinterlegen, etwa als Projektanweisung oder Systemprompt. Wer regelmäßig Texte erstellt, sollte das einmal sauber einrichten, statt bei jedem Auftrag von vorn anzufangen.

Quellen und medizinische Aussagen prüfen

Kontrollieren Sie jede medizinische Aussage an einer Originalquelle. Passt die Studie zur beschriebenen Behandlung und Patientengruppe? Nennt sie Unsicherheit, Risiken oder Alternativen, die im Entwurf fehlen? Ist sie aktuell, oder gibt es eine neuere Leitlinie? Die „Gute Praxis Gesundheitsinformation“ ist ein Maßstab für eine ausgewogene Darstellung von Nutzen und Schaden.

Streichen Sie erfundene Quellen und pauschale Behauptungen. Achten Sie auch auf Weichmacher, die ein Modell gern einbaut: „viele Studien zeigen“, „gilt als besonders wirksam“, „in der Regel schmerzfrei“. Solche Formulierungen klingen sachlich und sind oft weder belegt noch mit dem Heilmittelwerbegesetz vereinbar. Ein Webtext soll eine Beratung vorbereiten, nicht die individuelle Aufklärung ersetzen.

Fachliche Freigabe und Aktualisierung

Die verantwortliche Fachperson prüft Angaben zu Eignung, Wirkung, Risiken und Grenzen. Danach prüft die Redaktion Lesbarkeit, Ton und korrekte Kontaktangaben. Halten Sie fest, wer freigegeben hat und wann der Text erneut geprüft werden soll, spätestens wenn sich die Leistung, das Team oder die Rechtslage ändert. Ein Prüfvermerk mit Datum am Ende der Seite schafft außerdem sichtbar Vertrauen bei Patienten.

Der Beitrag Medizinische Inhalte auf der Praxiswebsite prüfen geht tiefer auf diese redaktionelle Kontrolle ein.

Wer trägt die Verantwortung für medizinische Texte?

Die fachliche Beurteilung liegt bei einer Person, die die konkrete Leistung verantwortet. Marketing, Redaktion und auch eine Agentur wie meine können einen Text besser machen, aber keine medizinische Indikation oder einen Nutzen eigenständig bestätigen. Für Ärztinnen und Ärzte ist die Berufsordnung der jeweiligen Landesärztekammer maßgeblich. Die Musterberufsordnung dient als Orientierung, ihr § 27 regelt zudem, welche Information erlaubt und welche Werbung berufswidrig ist.

Dasselbe Arbeitsprinzip gilt für Zahn-, Physio- und Therapiepraxen und andere Gesundheitsberufe: Fachliche Aussagen müssen von den jeweils zuständigen und qualifizierten Personen geprüft werden. Wer die Prüfung an das Werkzeug delegiert, hat sie nicht gemacht.

Wo entstehen typische Fehler im KI-Entwurf?

Ein Text kann eine Quelle erfinden, Ergebnisse einer Studie verwechseln oder aus einer Möglichkeit eine sichere Wirkung machen. Ebenso kann er Öffnungszeiten, Teamqualifikationen, Geräte oder Erstattungswege ergänzen, die nie im Briefing standen. Ein weiteres Muster, das mir häufig begegnet: Der Entwurf übernimmt Formulierungen aus dem amerikanischen Gesundheitsmarketing, die im deutschen Berufsrecht problematisch sind, etwa Superlative oder Erfolgsversprechen. Prüfen Sie solche Angaben gegen Ihre Unterlagen und gegen die Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer. In der Musterberufsordnung ist das § 27.

Die Datenschutzkonferenz empfiehlt, KI-Ergebnisse kritisch auf Richtigkeit zu prüfen. Google erklärt zudem, dass KI-Erstellung allein keine Abwertung in der Suche bedeutet, warnt aber vor massenhaft erzeugten Seiten, die niemandem nützen, und betont Richtigkeit, Relevanz und erkennbare Verantwortung. Das ist eine Regel der Suchmaschine, keine medizinische Freigabe. Aus meiner Sicht bestätigt sie aber, was ohnehin gilt: Nicht das Werkzeug entscheidet über die Qualität eines Textes, sondern das Briefing, die Prüfung und die Person, die dahintersteht.

Was Sie selbst tun können

  1. Richten Sie ein Praxiskonto mit Auftragsverarbeitungsvertrag und ohne Trainingsnutzung ein und schreiben Sie ein Briefing für allgemeine Praxistexte ohne echte oder wiedererkennbare Patientendaten.
  2. Prüfen Sie jede medizinische Behauptung und jede genannte Quelle an der Originalfundstelle und streichen Sie, was sich nicht belegen lässt.
  3. Lassen Sie den fertigen Text fachlich freigeben, vermerken Sie Prüfer und Datum und legen Sie einen Termin für die nächste Prüfung fest.

Wann sich Unterstützung lohnt

Für einzelne Texte reicht der beschriebene Ablauf mit Bordmitteln. Wenn mehrere Personen an vielen Texten arbeiten, wenn ein MVZ seine Leistungsseiten für mehrere Fachrichtungen aktualisieren will oder wenn das Team KI nutzen möchte, aber niemand weiß, welches Werkzeug mit welchen Einstellungen vertretbar ist, lohnt sich ein gemeinsamer Ablauf für Briefing, Quellenprüfung und Freigabe.

Bei Curascala bieten wir dafür zwei Dinge an: redaktionelle Unterstützung, die Struktur, Verständlichkeit und Auffindbarkeit der Texte verbessert, und KI-Beratung mit Schulung direkt in der Praxis, in der wir mit dem Team die passenden Werkzeuge, die Kontoeinstellungen, die Briefing-Vorlagen und den Freigabeprozess einrichten. Das Ziel ist, dass die Praxis danach selbstständig und mit geklärten Datenschutzfragen arbeiten kann. Datenschutzfragen zum konkreten Werkzeug klärt die Praxis mit ihrer Datenschutzberatung, berufsrechtliche Fragen gegebenenfalls mit der zuständigen Kammer. Wir bereiten beides so vor, dass die Prüfung schnell geht.

Häufige Fragen

Dürfen wir ChatGPT, Claude und Gemini für Website-Texte nutzen?

Für Entwürfe allgemeiner Texte ist der Einsatz nicht pauschal ausgeschlossen. Nutzen Sie ein Konto für den Praxisbetrieb mit Auftragsverarbeitungsvertrag und deaktivierter Trainingsnutzung und geben Sie keine Patientendaten ein. Medizinische Aussagen müssen vor Veröffentlichung fachlich geprüft werden.

Welche Daten sollten wir nicht eingeben?

Für allgemeine Praxistexte verwenden Sie keine Namen, Diagnosen, Fotos, Nachrichten oder wiedererkennbaren Fallbeschreibungen. Auch eine Geschichte ohne Namen kann personenbezogen sein. Gesundheitsdaten verlangen bei einer tatsächlichen Verarbeitung eine gesonderte Prüfung nach Art. 9 DSGVO und einen passenden Vertrag mit dem Anbieter.

Wer prüft medizinische KI-Texte?

Die verantwortliche Fachperson prüft Aussagen zu Nutzen, Risiken und Eignung. Redaktion und Technik prüfen anschließend Verständlichkeit und Darstellung. Für Ärztinnen und Ärzte gilt die jeweilige Landesberufsordnung. Die Prüfung lässt sich nicht an das Werkzeug delegieren.

Wertet Google KI-Texte pauschal ab?

Nein. Google beschreibt keine Abwertung allein wegen generativer KI, betont aber Qualität, Richtigkeit und Nutzen und warnt vor massenhaft erzeugten Seiten, die niemandem nützen. Für Gesundheitsthemen zählen erkennbare Verantwortung und Belege besonders. Eine gute Platzierung lässt sich daraus nicht versprechen.

Welches KI-Werkzeug ist datenschutzkonform?

Das lässt sich ohne den konkreten Einsatz und seine Einstellungen nicht pauschal beantworten. Zweck, Datenarten, Verträge, Datenfluss, Serverstandort und Schutzmaßnahmen sind zu prüfen. Business-Konten der großen Anbieter mit europäischem Auftragsverarbeitungsvertrag sind für Texte ohne Patientendaten nach meiner Einschätzung in der Regel ein vertretbarer Ausgangspunkt. Kostenlose Consumer-Konten sind es nicht.

Curascala Befund

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